Die politische Kneipe

Dieser Abend mit Parteichef Sigmar Gabriel erinnerte ihn an die Zeit der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert, als Kneipen für viele Sozialdemokraten ein proletarischer Rückzugsort für politische Versammlungen war, um dort zu politisieren und so die Lebenswelt zu bewegen.

In jener Tradition hatte kürzlich eine kleine Kneipe in Magdeburgs Straßen volles Haus. Sigmar Gabriel war im Rahmen seiner Tour von Dresden nach Berlin als Gast des SPD-Ortsvereins Magdeburg-Reform/Südost eingeladen und kam gerne, um über die Alltagsprobleme und Zukunftsaussichten in Deutschland zu sprechen. Um mit den Gästen zu analysieren, wo das Leben noch lebenswert ist und wo wir als Partei mit anpacken und noch mehr anpacken müssen, weil die schwarz-gelbe Bundesregierung zu oft handlungsunfähig darnieder liegt.

Euro-Schuldenkrise, Bildungspolitik, Umweltfragen, Zukunft der Kommunen, Internetkultur, demografische Lücke, die Zukunft der Partei, alles kam auf den Tisch. Nicht auf Stammtischniveau aber mit einfachen Worten, denn so manche/r Bürgerin/Bürger versteht die Politik nicht mehr, ein verbreitetes Ohnmachtsgefühl ist eine große Gefahr für die SPD.

Mit einem donnernden sowohl als auch wird der Kapitalismus nicht gebändigt und die soziale Marktwirtschaft erhalten. Spielregeln des gemeinsamen Zusammenlebens müssen eingehalten und, wenn nötig, angepasst werden. Die SPD muss bei der (Neu)Bestimmung jener Regeln in der ersten Reihe stehen, da waren sich alle Anwesenden einig, auch wenn in Nuancen unterschiedliche Vorstellungen blieben. Doch genau das macht die SPD aus – mitdenken, vordenken, querdenken und gemeinsam um Lösungen ringen. Und deswegen lebt sie noch, unsere SPD, nicht nur an diesem politischen Kneipenabend.